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Reaching Europe – The land of milk and honey

Getrieben von Krieg, Gewalt, Perspektivlosigkeit und Armut im Heimatland, wagen sich immer mehr junge Menschen aus Afrika auf eine gefährliche Reise nach Europa. Ziel ist das gelobte Land Europa. Oft werden diese Menschen von der eigenen Familie losgeschickt, die dafür Hab und Gut verkauft haben um einem Sohn oder einer Tochter diese Reise zu ermöglichen um damit das Wohl der Familie zu verbessern. Viele der Migranten leiden unter dem enormen Druck den ihnen ihre Familie aufzwingt. Eine Rückkehr kommt nicht in Frage, denn dann würden sie als Versager gelten. Es bleibt nur Europa oder der Tod.

Viele stecken seit einigen Jahren in Marokko fest und warten auf eine Gelegenheit um über den Zaun bei Ceuta oder Melilla zu klettern oder um eines der kleinen Boote nach Spanien zu bekommen. Dabei werden sie von der marokkanischen Polizei gejagt und immer wieder in den Süden des Landes oder nach Algerien deportiert und dort ohne Schuhe, Geld und Lebensmittel auf der Strasse ausgesetzt. Von dort dort aus machen sie sich wieder auf den tausende Kilometer langen Weg in Richtung Norden, bis an die Grenze zu Europa. Das Spiel beginnt von vorne.

Katz und Mausspiel, finanziert von der europäischen Union.

Aus diesem Grund verstecken sich viele Migranten in selbst errichteten Camps im Wald und warten auf eine gute Möglichkeit den Grenzzaun zu stürmen. Die Verhältnisse in diesen Camps sind miserabel. Es gibt so gut wie niemand der sich um diese Menschen kümmert. Sie leben in provisorischen Zelten aus Kartons und Plastiktüten und ernähren sich von Müll, trinken verschmutztes Wasser und können noch nicht mal zum Arzt bei Krankheit oder Verletzungen. Hin und wieder tauchen Polizeitruppen auf, brennen die Lager nieder und gehen gewaltsam gegen die Migranten vor. Es ist ein Katz und Mausspiel, finanziert von der europäischen Union.  Aufgrund der marokkanischen Polizei ist es mir nicht gelungen in eines dieser Camps zu gelangen. Es wird mit allen Mitteln versucht solche Informationen nicht ausser Landes zu lassen.

Diejenigen unter den Migrantem, die es sich leisten können, mieten sich zusammen mit anderen eine günstige Wohnung in Tanger oder anderen Städten und warten auf eine gute Gelegenheit um nach Europa zu kommen. Auch hier gibt es ständige Polizeikontrollen und Schikanen. Freiheiten und Rechte haben afrikanische Migranten in Marokko so gut wie keine.

Ich habe mich aufgemacht und mich mit Migranten auf der europäischen als auch auf der marokkanischen Seite zu treffen und um mehr zu erfahren über deren Hintergründe, Schicksale und Hoffnungen.

Ceuta – Spanien

Hier zu sehen das Grenzgebiet zwischen Marokko (links) und Ceuta/Spanien (rechts).

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Peter aus Guinea Conakry freut sich, denn er hat vor einigen Tagen den Grenzzaun überwunden und ist nun auf der spanischen Seite. In ca. 3 Monaten wird  er nach Madrid oder in andere spanische Stadt auf dem Festland gebracht. Dort kann er dann einen Antrag auf eine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland, Frankreich oder andere Länder stellen.

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Desire aus Kamerun hat sich beim überwinden des Grenzzaunes, an den rasiermesserscharfen Klingen, seine Hand verletzt.

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Diese zwei Jungs aus Guinea Conakry geniessen ihre neu gewonnene Freiheit und trainieren an den öffentlichen Fitnessgeräten am Strand.

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Jeden Abend seit ihrer Ankunft in Ceuta, geniessen Jonas und Nikolas aus Kamerun den Sonnenuntergang am Strand.

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„Unsere Lebensversicherung sind unsere Beine, denn damit können wir wegrennen, uns verstecken und  längere Strecken überwinden.“

Bei einem Spaziergang am Strand bin ich auf Henri und Stephan aus Guinea Conagry gestossen. Sie boten mir ein Bier an und erzählten Geschichten von ihrem schwierigen Überleben während der Flucht. Mit 15 Jahren waren sie in ihrer Heimat aufgebrochen und verbrachten 5 Jahre ihrer Jugend in Marokko. Heute sind sie um die 20 Jahre alt. Eine lange Zeit lebten sie dabei versteckt im Busch und in den Wäldern. Um zu Überleben suchten sie im Müll nach Nahrung und tranken dreckiges Wasser aus den Flüssen und Bächen. Sie erzählten mir wie marokkanische Polizisten mit Gummiknüppeln auf sie eingeschlagen und immer wieder die Camps niedergebrannt haben. Sie zeigen mir Narben am Körper die davon stammen. Stephan(rechts) kann seine Hand nicht mehr richtig bewegen, da sie gebrochen war und er keine Möglichkeit hatte zum Arzt zu gehen. Einem anderen Migranten wurde in den Arm geschossen oder sogar die Zunge rausgeschnitten damit er nichts erzählen konnte. Einige Freunde von Henri und Stephan sind bis heute spurlos verschwunden. „Unsere Lebensversicherung sind unsere Beine, denn damit können wir wegrennen, uns verstecken und  längere Strecken überwinden.“, so Henri.

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Die Schikanen und Misshandlungen der letzten Jahre sind den jungen Männern ins Gesicht geschrieben.

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Luis aus der zentralafrikanischen Republik ist vor Krieg und Elend geflohen. Er spricht perfektes Englisch, ist gut gebildet und erhofft sich nun eine vielversprechende Zukunft in Deutschland, Frankreich oder Spanien. Er will eine Berufsausbildung oder ein Studium beginnen, einen genauen Plan hat er noch keinen. Er ist über Nigeria in den Niger weiter nach Mali geflohen. Dort kam er zum ersten Mal in Kontakt mit radikalen Schleusern und Rebellen. Wochenlang musste er im Wüstensand mitten in der Sahara übernachten, Zwangsarbeit leisten und Schikanen ertragen. Doch als er Marokko erreichte, nahmen diese Menschenrechtsverletzungen kein Ende. Jetzt hat er Europa erreicht und kann sich erstmal von seinen Strapazen erholen.

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Für die Jungs fühlt sich das Leben auf der spanischen Seite frei und menschlich an. Endlich können sie sich draussen Bewegen ohne gleich von Schleppern, Polizisten oder Anwohnern beschimpft, misshandelt oder festgenommen zu werden.

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In Europa stellen sich einige von ihnen eine Karriere als Fussballstar vor, Barcelona scheint dafür ein beliebtes Ziel zu sein. Andere sind realistischer und wollen versuchen eine handwerkliche Ausbildung zu beginnen oder sich einfach von Job zu Job zu hangeln.

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Tanger – Marokko

Auf der marokkanischen Seite herrscht die Angst und Ungewissheit. Die Migranten verstecken sich in sehr kleinen muffligen Wohnungen oder in provisorischen Camps im Wald. Die Wohnungen haben keine Fenster, bieten gerade mal Platz für 1-2 Matratzen und beherbergen 6-10 Menschen. Ein Privatsphäre gibt es nicht und auf eine Matratze kommen 3-4 Leute. Es war mir nicht möglich offen mit meiner Kamera und begleitet durch einen Afrikaner durch die Strassen zu laufen. Jeder einzelne Marokkaner hätte die Polizei gerufen um den Afrikaner, mich und meine Kamera festzunehmen und zu kontrollieren.

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Camille aus Kamerun ist die einzigste Frau in dieser Wohngemeinschaft. Nachts wurde sie schon öfter von marokkanischen Anwohnern mit dem Messer bedroht. Sie hat Angst und hofft, dass das Versteckspiel bald ein Ende nimmt. Die tausende Kilometer lange Strecke vom Süden Marokkos bis nach Tanger, konnte sie nur nachts und zu Fuss zurücklegen, um nicht von der Polizei festgenommen zu werden, so Camille.

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Es herrscht Aufbruchsstimmung und die Hoffnungen auf ein besseres Leben in Europa sind gross.

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Nach einer kleinen Geldspende von mir ist die Freude und Dankbarkeit riesig.

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Moses aus Kamerun hat seine eigene Hilfsorganisation gegründet und hortet Kleidung, Medikamente, Handys, Bücher und Lebensmittel um damit anderen Migranten aus Afrika zu helfen.

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Seine Wohnung ist gestapelt mit Kleidung, Matratzen, Decken, Medikamente und vielen weiteren Dingen.

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Aber der wichtigste Gegenstand für ihn ist seine Bibel und der Rosenkranz, betont er. Ohne diese Dinge könne er nicht überleben. Die Not hat seinen Glauben an Gott gestärkt. Zuhause in Kamerun hat er Frau und Kinder die er seit 5 Jahren nicht mehr gesehen hat.

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Diese Jungs aus Liberia, Guinea Conakry und Kamerun bewohnen eine dunkle muffige Wohnung in der Altstadt von Tanger. Hilfe bekommen sie teilweise von der örtlichen CARITAS Anlaufstelle. Jeden Tag blicken sie von einer Aussichtsterasse in Tanger rüber auf das 15km entfernte spanische Festland. Das stärkt ihre Motivation und die Hoffnung es eines Tages zu schaffen.

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So sieht das Schlafzimmer von Yanis aus Liberia aus. Es ist Mittagszeit und es kommt kein Tageslicht ins Zimmer.

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Um weiterhin solche Projekte realisieren zu können, bin ich auf eure Spenden angewiesen.

Daher bitte ich Euch um eine kleine Geldspende auf unten angegebenes Konto.

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VIELEN DANK! Thank you!

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